vorsicht! ich möchte eine allgemeine triggerwarnung ausprechen, da ich nicht weiß, wie du als einzelner leser auf meine texte reagieren könntest. geschrieben wird hier über gedanken, träume und erfahrungen, die eventuell verstörend und/oder triggernd sein könnten. wenn du dich als leser instabil fühlst, solltest du meinen blog nicht lesen. ich übernehme keine verantwortung für triggernde inhalte. bei fragen und/ oder problemen kannst du dich gerne bei mir melden, durchstöbere hierzu das impressum oder nutze die kommentarfunktion.

19.02.2018

heute ist mir mal wieder aufgefallen, wie unempathisch manche menschen mit offensichtlichen psychischen problemen umgehen. ich saß mit meinem fahrlehrer im auto und bin gefahren, hatte meine ärmel ganz normal hochgeschoben. seit jahren mache ich das schon ohne angst. meine narben sind immer noch da und extrem auffällig, aber ich persönlich nehme sie kaum mehr wahr und gehe weitestgehend offen damit um. was bleibt mir anderes übrig? soll ich für immer lange ärmel und hosen tragen? nee.

mein fahrlehrer linst nach links. "warst du mal eine schnitzerin?", fragt er grinsend. für einen kurzen moment bin ich verwirrt. dann verstehe ich es. "ja", antworte ich stumpf. was soll man dazu sagen? "ich verstehe immer nicht, wie ihr mädels das machen könnt. das tut doch weh und ist total sinnlos", meint er. "naja, wenn das mal so einfach wäre", ich muss mich auf den verkehr konzentrieren und will das gespräch möglichst schnell beenden. "aber jetzt machst du das nicht mehr, oder?", fragt er. ich verneine. "naja, das macht ihr mädels ja auch in der pubertät wenn ihr euch und euren körper hasst." ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. "nein, meine mutter ist gestorben und ich kam damit nicht klar", entgegne ich. normalerweise hätte ich ihm das niemals erzählt, um ihn nicht in eine für ihn unangenehme situation zu bringen, aber diese vorurteilsbehaftete aussage kann ich so nicht stehen lassen. "oh, ok", er schluckt. gespräch beendet.

viele menschen meinen alles zu wissen, alles zu können und alles direkt korrekt zu erspüren. mein fahrlehrer ist generell eher die sorte arschloch, aber meistens lasse ich ihn reden und freue mich darauf, endlich den lappen in der hand zu haben und ihn dann nie wiederzusehen. ich stelle mir vor, was es mit mir gemacht hat, als damals mit 13, 14, 15 die menschen derartig auf meine narben (oder wunden) reagiert haben. als folge habe ich mich komplett versteckt, bin nur noch mit verband rumgelaufen und habe mich nie getraut, mich öffentlich zu zeigen. ich selbst habe gekämpft und an mir gearbeitet, um mich nicht mehr davor zu schämen. und dann kommen menschen wie mein fahrlehrer und gehen so enorm unempathisch an solch sensible themen heran, dass es fast schon wehtut. mir selbst hat sein gefrage nichts ausgemacht, ich kann schon lange damit umgehen. mir tut es nur für die menschen leid, die starke probleme mit dem svv-outen (wie ich mit 14) haben.

liebe menschen, was nehmt ihr euch heraus, euch oftmals fremde personen so frech auszufragen, witze darüber zu machen, zu pauschalisieren und zu kategorisieren?

die situation mit meinem fahrlehrer war ja noch harmlos. ich selbst habe schon durchaus krassere, dreistere oder unangenehmere dinge miterleben müssen. nicht nur bei mir in bezug auf svv, sondern auch in bezug auf andere menschen. meine essgestörte ex-beste freundin, die von fremden personen auf der straße als skelett beleidigt wurde oder damals von der lehrerin vor der gesamten klasse als essgestört abgestuft wurde.

falls du das hier liest und selbst schon mal in solchen situationen gesteckt hast, kannst du gerne deine story kommentieren. ganz egal, worum es dabei ging. vielleicht warst du ja auch selbst mal ungewollt der "täter" und hast erst im nachhinein gemerkt, dass du mist gebaut hast.

16.02.2018

wie genau soll ich es jemals schaffen, wieder eine richtige freundschaft zu führen? meine mum hat immer gesagt, dass man einfach abwarten muss. irgendwann trifft man "die eine". die eine beste freundin. mein leben lang hatte ich immer viele freunde, viele bekannte. zuletzt nannte ich charlotte meine beste freundin und momo meinen besten freund und war wahnsinnig happy damit. das ist schon lange vorbei.
ich habe immer gehofft und auch erwartet, dass ich im studium viele menschen treffen werde, die gleichgesinnt sind und mit denen ich eine gute beziehung aufbauen kann. bis jetzt ist das leider noch nicht passiert. im märz beginnt schon mein 4. semester und natürlich habe ich mädels, mit denen ich ab und zu etwas mache und auch eine freundin, mit der ich alle kurse zusammen belege, aber ich würde sie niemals auf eine stufe mit meinen vorigen engen freundschaften stellen.
manchmal zwinge ich mich regelrecht, mich mit anderen menschen zu treffen. meistens macht es mir aber einfach keinen spaß und raubt mir die kraft. ich sehe langsam keinen sinn mehr darin, mich nur mit anderen menschen zu verabreden, um mich nicht ganz so wie ein loser zu fühlen.
mein freund ist meine einzige richtige bezugsperson. aber was, wenn die beziehung irgendwann mal zerbrechen sollte? ich meine, zu denken, eine beziehung in unserem alter würde ewig halten, ist meiner meinung nach realitätsfern. klar kann das passieren, das will ich nicht verneinen, jedoch ist die wahrscheinlichkeit einfach sehr gering.
seit anfang januar habe ich semesterferien und seitdem bin ich wahnsinnig viel allein, alleine mit meinen gedanken und emotionen. es fällt mir wirklich schwer, nicht komplett im sumpf der negativität und nachdenklichkeit zu versinken. ich versuche mich mit sport und fahrschule abzulenken, aber am liebsten würde ich durchgehend im bett liegen.

während ich das hier schreibe, spüre ich eine wut. wut auf mich selbst. was bin ich nur für ein egoistisches, selbstbemitleidendes würmchen? war ich schon immer so? ich weiß es nicht.

die waage zeigt aktuell 71-72kg an. vor einem monat habe ich mit 75 kg angefangen, abzunehmen. ich versuche einfach nur so viel sport wie möglich zu haben und kalorien zu zählen. gesunde ernährung ist natürlich auch gut, aber kein muss. ich will es einfach durchziehen. manchmal habe ich nämlich das gefühl, dass ich mich auch deshalb so zuhause einschließe, weil ich mich einfach unwohl in meinem körper fühle. ich bin gespannt, wie gut die reise klappt und ob es sich positiv auf mein wohlbefinden auswirkt.


14.02.2018

DEAR MUM,

ich vermisse dich. unendlich. ich meine- das ist ja an sich nichts neues. aber in letzter zeit ist es wieder intensiver. heute sind mir die tränen gekommen, als ich eine mutter mit ihrem kind hand in hand die straße langgehen gesehen habe. es schmerzt. ich will nicht neidisch sein, aber jedes mal ist es ein stich ins herz, wenn jemand aus meinem freundeskreis über seine mutter schwärmt. ich versuche dann jedes mal tief ein- und auszuatmen und mich zu beruhigen. mama, du bist jetzt 7,5 jahre nicht mehr bei uns. das ist so eine lange zeit. so vieles hat sich verändert.

ich habe starke angst, dich zu vergessen. immer öfter merke ich, dass sich lücken in mein gehirn schleichen. wie war nochmal deine stimme? was war nochmal deine meinung zu thema x? wie hieß nochmal dein lieblingsfilm? ich möchte nicht, dass die erinnerungen verblassen. ich traue mich nur selten, konkret an dich zu denken. meistens passiert das unbewusst und dann versuche ich die gedanken einfach zu verdrängen, um nicht zu weinen.

mit anderen menschen über dich zu reden fällt mir sehr schwer. das liegt vor allem daran, dass ich kaum vertrauenspersonen habe. mein freund spricht mich ab und zu darauf an und tröstet mich, wenn ich traurig bin. vor ihm kann ich immer weinen. aber ich will ihn auch nicht zu sehr damit belasten, denn ich weiß, dass er selbst angst vor dem tod hat. er sagt, dass er auch ab und zu an dich denkt und es komisch findet, dich nie kennengelernt zu haben.

während ich das hier schreibe, stehen mir die ganze zeit die tränen in den augen und ich spüre einen dicken kloß in meinem hals. immer, wenn ich menschen erzählen muss, dass du gestorben bist, fühle ich mich unwohl. und zwar nicht wegen mir, sondern wegen ihnen. den meisten menschen ist es sehr unangenehm, wenn sie erfahren, dass meine mum tot ist. wenn ich zum beispiel erzähle, dass ich mit meinem dad und meiner schwester in den urlaub fahre, kommt direkt die frage, ob meine eltern getrennt seien. wenn ich dann die aussage korrigiere, kommt dann häufig sowas wie: "oh, das tut mir leid. ich wollte dir nicht wehtun." und die menschen versuchen geschockt das thema zu wechseln. mir ist das selbst so unfassbar unangenehm, dass ich am liebsten niemandem erzählen würde, was los ist. meistens entgegne ich dann, dass alles in ordnung ist und ich schon lange drüber hinweg bin.

aber kann ich das überhaupt jemals sein? aktuell würde ich dies verneinen. ich vermisse dich jeden tag, mama. ich trage immer noch deine kuschelsocken und deine kuscheljacke. ich will dich nicht vergessen. ich will nicht "über dich hinweg sein". ich will dich für immer vermissen dürfen.


in liebe,

deine tochter